Geschichte

Der SV Alsenborn hat in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Fußball–Geschichte geschrieben. Noch heute erinnern sich viele Fans aus ganz Deutschland an das „Wunder des Dorfvereins“, der einst sogar an das Tor zur Bundesliga anklopfte.

Nach seiner aktiven Karriere wurde Fritz Walter, Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1954, sportlicher Berater beim SV Alsenborn. Die Idee, den Verein groß herauszubringen, kam Fritz Walter beim Europapokal–Finale 1962 zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon in Amsterdam. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Mannschaftskameraden vom 1.FC Kaiserslautern, Hannes Ruth, ging Fritz Walter das ehrgeizige Projekt an. Ruth war für den wirtschaftlichen Teil verantwortlich, Fritz Walter kümmerte sich um das Sportliche. So gelang es Fritz Walter, Willi Hölz, Otto Render und Erwin Rödler zu verpflichten, drei ehemalige FCK–Spieler, mit denen er die Deutsche Meisterschaft gewonnen hatte. Neben diesen gestandenen Spielern verfügte Alsenborn über mehrere vielversprechende Talente. In den Jahren 1962 bis 1965 stieg der SVA dreimal in Folge auf und spielte so in der Saison 1965/66 in der Regionalliga Südwest, damals die zweithöchste deutsche Spielklasse hinter der Bundesliga.

1968 wurde Alsenborn erstmals Meister der Regionalliga und qualifizierte sich dadurch für die Aufstiegrunde in die Bundesliga. In einer Gruppe mit Hertha BSC Berlin, Rot–Weiß Essen, SC Göttingen 05 und Bayern Hof wurde der Verein Tabellendritter – nur der Erste, Hertha BSC, stieg auf. In der folgenden Saison wurde Alsenborn erneut Regionalliga–Meister. In der Aufstiegsgruppe mit Rot–Weiß Oberhausen, Hertha Zehlendorf, VfB Lübeck und dem Freiburger FC wurde Alsenborn nach fünf Siegen und drei Niederlagen erneut Dritter hinter Oberhausen und Freiburg. Am Ende fehlte nur ein Punkt zum angestrebten Bundesliga–Aufstieg. 1970 wurde Alsenborn zum dritten Mal in Folge Meister der Regionalliga Südwest. In einer Gruppe mit Arminia Bielefeld, dem Karlsruher SC, Tennis Borussia Berlin und dem VfL Osnabrück erreichte der Verein erneut den dritten Platz und verpasste dadurch neuerlich den Aufstieg.

Die Erfolge dieser drei erfolgreichen Jahre konnte der SV Alsenborn in der Folgezeit nicht mehr wiederholen. Dies lag nicht zuletzt daran, dass in den Jahren danach insgesamt 31 Spieler zu Profi–Klubs wechselten. Ein weiterer Schock für den Verein war der Unfalltod von Otto Render, der mittlerweile Trainer der Mannschaft war.

Die Qualifikation zur 1974 neu eingeführten 2. Bundesliga war für alle Vereine schwierig. Der Deutsche Fußball–Bund klügelte ein Punktesystem aus, wonach sich die Vereine sportlich zu qualifizieren hatten. Gleichzeitig aber wurden den Vereinen Auflagen technischer und wirtschaftlicher Art genannt, die sie erfüllen mussten. Der SV Alsenborn wurde vom Südwest–Zulassungsausschuss zunächst für die 2. Bundesliga nominiert, nach Einspruch des knapp dahinter liegenden 1. FC Saarbrücken aber wieder vom Regionalverband Südwest zurückgewiesen. Der SV Alsenborn wandte sich an die Zivilkammer in Kaiserslautern und erwirkte dort eine einstweilige Verfügung, wonach der Vorstandsbeschluss aufgehoben und ein Verbandsgericht des Regionalverbandes erneut die Lage zu überprüfen hatte. Das Verbandsgericht wertete Alsenborns sportliche Qualifikation höher, womit wiederum der SV Alsenborn der „Favorit" für die 2. Fußball–Bundesliga war. Nunmehr erhoben der 1. FC Saarbrücken und der Vorstand des Fußball–Regionalverbandes gegen die Feststellung Einspruch beim Sportgericht des Deutschen Fußball–Bundes.

Der Deutsche Fußball–Bund erteilte zunächst dem sportlich qualifizierten SV Alsenborn den Vorrang, um dann doch – nach dem Urteil des DFB–Sportgerichts – den wirtschaftlich besser gestellten 1. FC Saarbrücken zu bevorzugen. Die Lizenz wurde wegen technischer Unzulänglichkeiten an der Platzanlage und wirtschaftlicher Unsicherheit bei der zukünftigen Entwicklung verwehrt.

Ganz Fußball–Deutschland war empört der Auffassung, dass der DFB–Mann Hermann Neuberger, Ehrenmitglied des 1. FC Saarbrücken, diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst hatte. Tatsächlich spielte er bei den Entscheidungen keine Rolle. Die verantwortlichen Gremien konnten nicht ahnen, dass dem finanziell besser gestellten 1. FC Saarbrücken 20 Jahre später aus formellen Gründen die Lizenz verweigert werden musste und er in die dritte Klasse verwiesen wurde.

In den Folgejahren entwickelte sich der SVA wieder zu einem ganz normalen Fußballverein. Die glorreichen Zeiten blieben erwartungsgemäß eine Episode. Hat Tradition Zukunft? Vielleicht. Man sollte auf jeden Fall fest daran glauben.

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